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Ein Familienbetrieb wird fotografiert.

Ob ich den Herrn Hanne fotografieren könnte, hat mich Manuela vom Seitenstraßenverlag gefragt. Da kommen dann immer zwei Dinge zusammen: Einerseits bin ich entsetzlich neugierig, andererseits habe ich Angst vor fremden Menschen. Aber ich mag Manuela, und bisher haben sich alle ihre Autorinnen und Autoren als außerordentlich liebreizend herausgestellt. Gewiss kann ich Herrn Hanne fotografieren, habe ich geantwortet, und dann gleich mal Herrn Hanne gegoogelt. Alles wäre viel einfacher gewesen, hätte sie mich direkt zu @betriebsfamilie geschickt.

Wir haben einen Termin verabredet, ich habe meinen kompletten Lampenladen aufgebaut und angestrengt darüber nachgedacht, wie ich Herrn Hanne so seriöslich fotografieren kann, dass das Foto in ein Buch reingedruckt werden kann. Tja. Und dann kam Herr Hanne. Der heißt Christian, hat ungefähr die gleiche Menge Angst vor dem Fotografiertwerden wie ich vor fremden Menschen, dachte sich aber: Ich mag Manuela, die kennt immer so nette Fotografen. Geh ich mal hin da.

Die erste Überraschung war, dass er seinem Avatar nicht im Geringsten ähnelt. Zum Beispiel sein Hals: Der ist ganz normal! Für die erste Bildreihe haben wir gemeinsam herauszufinden versucht, ob und inwieweit sich ein ernsthafter von einem vergrämten Gesichtsausdruck unterscheidet. Wir haben das Level komplett durchgespielt – es sind nur Nuancen. Aber falls mal jemand ein Fahndungsfoto benötigt: Das kann ich jetzt. Schluss mit seriöslich, dachte ich, und habe ihm unser Atelier-Glücksschwein gereicht. Sieht man ja nicht, dachte ich. Kann er sich dran festhalten. Streicheltherapie ist zwar eigentlich mit Hund, aber keiner von uns hatte einen Hund dabei.

Christian Hanne

Christian Hanne

Weil wir uns inzwischen ganz gut aneinander gewöhnt hatten, sind wir für eine letzte Bildreihe in den Bürgerpark gegangen. Dort ist mir das Bild gelungen, von dem ich sagen würde, dass es in ein Buch gedruckt werden kann. Junger Mann mit Grünzeug drumherum. Ich finde sowas gut. Das sieht ordentlich aus, das ist sympathisch, man kann damit zwischen Bundeskanzlerin und Thronerbe alles werden. So ein Bild ist das.

Möchtet ihr raten, für welches Bild sich Verlag und Autor entschieden haben? Die Auflösung findet ihr auf Christians Autorenseite beim Seitenstraßenverlag.

(Wie es wirklich war, hat Christian selbst aufgeschrieben und für die Sammler unter euch ein paar Outtakes hinzugefügt.)

Es war mir ein Fest, und jetzt freue ich mich auf das schon fast fertige Buch von Christian Hanne, das »Wenn’s ein Junge wird, nennen wir ihn Judith« heißen wird und im September beim Seitenstraßenverlag erscheint. Yippieh!